Dial-up ISP im CMbB nachgebaut

Vor allem in den Jahren vor der flächendeckenden Einführung von DSL, Kabelmodems und ISDN sowie weiteren fest verbundenen und drahtlosen Netzwerktechnologien gingen Privatpersonen mehrheitlich über die Telefonleitung "online", bzw. nutzten diese, um Daten von Ihrem mit anderen Computern auszutauschen. Das Internet entwickelte sich langsam zu einem öffentlichen Tummelplatz, und die elektronische Post "E-Mail" erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Möglich wurde dies v.a. durch den Einsatz von Telefonleitungs-MODEMs (MOdulator / DEModulator). Das Prinzip wurde schon sehr früh zur Datenspeicherung auf Tonbändern bei Computern eingesetzt, und zahlreiche Heimcomputer verfügten aus Kostengründen zunächst nur über Kassettenrecorder-Anschlüsse zur Datenaufzeichnung.
eingebautes Tonbandlaufwerk zur Datenspeicherung

Hierbei werden Daten in Tonsignale "moduliert", aufgezeichnet, und bei Wiedergabe wieder in digitale Werte "demoduliert". Eben dieses Prinzip ermöglicht es auch, die für die Übermittlung von Tönen konzipierten Telefonleitungen ohne Veränderung derselben zur digitalen Datenübertragung zu nutzen, indem die Daten als analoges Tonsignal ausgetauscht werden. Da eine Telefonleitung in beide Richtungen Toninformation überträgt, können auch zwei Computer über jeweils einen MODEM an jedem Ende der Leitung miteinander "telefonieren". Zunächst waren Modems als sog. Akustikkoppler ein biegsames Gegenstück zu einem Telefonhörer, das man mit Gummi-Muscheln auf einen Hörer aufsteckte. Hier ist die Tonqualität und damit das störende Rauschen natürlich ganz erheblich, weil der Ton zunächst vom Lautsprecher am Telefonhörer von einem Mikrofon im Akustikkoppler aufgenommen wird und die Wiederhabe von Ton aus dem Akustikkoppler aus einem Lautsprecher im Koppler durch das Mikrofon im Telefonhörer erfasst wird.

Akustikkoppler am tragbaren EPSON HX-20 unten links; das beige Gerät mit den beiden schwarzen runden Gummi-Muscheln
Auf der Gegenseite waren weitere zwei Sätze an Lautsprecher-Mikrofon-Kombinationen im Einsatz. Die Post lockerte ihre Bestimmungen und erlaubte den Anschluss privater Geräte an ihre Leitungen (sicherlich ein Grund für die initialen umständlichen Akustikkoppler). Daraufhin eliminierte man die Störquellen (Mikrofon / Lautsprecher), indem man einen MODEM direkt an eine Telefonleitung schloss. Mit einem MODEM liessen sich im Idealfall 56 kBit/s Datenübertragung erreichen; das entspricht ca. 5 kb/s. Viele Modems funktionierten jedoch deutlich langsamer, z.B. 28 kBit/s.

Heute (2020) wirkt das extrem langsam. Dial-up Internetprovider, als Rechenzentren, die man per Telefonnummer anwählen konnte, um einen Internetverbindung herzustellen, gibt es praktisch nicht mehr; MODEM-Funktion findet sich heute typischerweise in Routern, wobei teilweise weiterhin noch Telefonleitungen als Signalträger genutzt werden (DSL). Die digitalen Endgeräte (PCs, Smartphones, Smart-TVs, usw.) erhalten den Internetzugang dann entweder per LAN (Ethernet) oder WLAN (drahtloses Netzwerk).

Dank findiger Bastler (thanks!!!: https://dogemicrosystems.ca/wiki/Dial_up_server und asterisk-Fix: mit neuem Repo https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/asterisk/+bug/1458323) haben wir mit Lubuntu 16.04 den Nachbau hinbekommen. Die Telefonzentrale ist eine FritzBox (Kabelmodem-Modell).
MODEM: unten links auf seiner gelben Schachtel (E288MX); daneben der Lubuntu-Laptop; darüber das "Web Touch one"; rechts oben neben dem Schild "Server & Netztwerk" die FritzBox als Telefonzentrale.

Jetzt können wir u.a. auf dem "Web Touch one" Prototyp Internet-Telefon von Alcatel (ein embedded Computer aus den 1990ern mit Webbrowser; damals seiner Zeit voraus und nie vermarktet) eine Webseite anzeigen, die bewusst einfach gehalten ist.

Hier das ganze in Aktion mit Ton, der einerseits aus dem Lautsprecher des "Web Touch one", andererseits aus dem Lautsprecher des Modems kommt. Man beachte die Ladezeit für das relativ kleine Bild auf der Webseite! Die "TX" (transmit)-Leuchte am MODEM leuchtete praktisch konstant.






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