Daniel Aubry




Daniel, du wirst uns fehlen. Du warst einer der treuesten Mitstreiter in unserem Museum. Praktisch jeden Freitag kamst du in die ColoBâle, manchmal haben wir es nicht einmal gemerkt, aber plötzlich bist du da gewesen. Immer hattest du etwas zu reparieren (es geht ja viel kaputt bei uns), immer wieder brachtest du etwas von deinen Schätzen, immer wieder hattest du eine spezielle bis verrückte Idee. So auch dieser riesige, spektakuläre Beamer, der vor vier Wochen so schön zu rauchen begann, als du ihn eingeschaltet hast. Daheim dann hast du den Fehler repariert, so dass die Projektion schon mal funktionierte. Aber eben noch nicht das, was du zeigen wolltest.
Wir haben uns dann doch gewundert, dass du danach zweimal nicht gekommen bist, obwohl dein Projekt bzw. dein Projektor auf dich wartete. Und dann mussten wir schmerzlich erfahren, dass du nicht einfach nur nicht gekommen bist, sondern in Zukunft überhaupt nicht mehr kommen wirst.

Es ist jetzt 13 Jahre her, dass wir uns kennen lernten, dort im Plugin anlässlich der Ausstellung Computerspirale. Du und deine Kollegen vom CCC habt damals auch unseren Intergraph zum Laufen gebracht und euch rührend um unseren Indy gekümmert.


Seitdem bist du regelmässig zu uns ins Computer Museum gekommen und warst das Bindeglied zwischen dem CCC und uns. Du warst dabei, als unser Verein CMbB geboren wurde, und hast ihn mit aus der Taufe gehoben. Es war wohl – wie einer von uns bemerkte – die kürzeste Gründungsversammlung eines Vereins.

Es gibt nicht viele Bilder, die Dich im Computer Museum beider Basel oder anderswo zeigen. Angeblich seist Du – so meinte jemand – ein wenig fotoscheu gewesen. Wir haben aber davon nicht viel gemerkt, gleichwohl mag es wahr sein. Ein anderes Bild von Dir entstand bei der Inbetriebnahme unseres Videowriters. Es ist typisch für Dich:





Du lehntest dich entspannt zurück, nach vollbrachter Tat. Eindrucksvoll deine gewaltige Haarpracht.

Lieber Daniel, du wirst immer bei uns im Museum sein. Dein Bild ist in unserem Herzen, aber es wird auch einen Ehrenplatz neben dem Eingang bekommen, gleich neben dem Bild von Dennis Ritchie, dem Vater von Unix.

Daniel Aubry ist in der Nacht auf den 29. Mai nach einem Hirnschlag gestorben.



Dial-up ISP im CMbB nachgebaut

Vor allem in den Jahren vor der flächendeckenden Einführung von DSL, Kabelmodems und ISDN sowie weiteren fest verbundenen und drahtlosen Netzwerktechnologien gingen Privatpersonen mehrheitlich über die Telefonleitung "online", bzw. nutzten diese, um Daten von Ihrem mit anderen Computern auszutauschen. Das Internet entwickelte sich langsam zu einem öffentlichen Tummelplatz, und die elektronische Post "E-Mail" erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Möglich wurde dies v.a. durch den Einsatz von Telefonleitungs-MODEMs (MOdulator / DEModulator). Das Prinzip wurde schon sehr früh zur Datenspeicherung auf Tonbändern bei Computern eingesetzt, und zahlreiche Heimcomputer verfügten aus Kostengründen zunächst nur über Kassettenrecorder-Anschlüsse zur Datenaufzeichnung.
eingebautes Tonbandlaufwerk zur Datenspeicherung

Hierbei werden Daten in Tonsignale "moduliert", aufgezeichnet, und bei Wiedergabe wieder in digitale Werte "demoduliert". Eben dieses Prinzip ermöglicht es auch, die für die Übermittlung von Tönen konzipierten Telefonleitungen ohne Veränderung derselben zur digitalen Datenübertragung zu nutzen, indem die Daten als analoges Tonsignal ausgetauscht werden. Da eine Telefonleitung in beide Richtungen Toninformation überträgt, können auch zwei Computer über jeweils einen MODEM an jedem Ende der Leitung miteinander "telefonieren". Zunächst waren Modems als sog. Akustikkoppler ein biegsames Gegenstück zu einem Telefonhörer, das man mit Gummi-Muscheln auf einen Hörer aufsteckte. Hier ist die Tonqualität und damit das störende Rauschen natürlich ganz erheblich, weil der Ton zunächst vom Lautsprecher am Telefonhörer von einem Mikrofon im Akustikkoppler aufgenommen wird und die Wiederhabe von Ton aus dem Akustikkoppler aus einem Lautsprecher im Koppler durch das Mikrofon im Telefonhörer erfasst wird.

Akustikkoppler am tragbaren EPSON HX-20 unten links; das beige Gerät mit den beiden schwarzen runden Gummi-Muscheln
Auf der Gegenseite waren weitere zwei Sätze an Lautsprecher-Mikrofon-Kombinationen im Einsatz. Die Post lockerte ihre Bestimmungen und erlaubte den Anschluss privater Geräte an ihre Leitungen (sicherlich ein Grund für die initialen umständlichen Akustikkoppler). Daraufhin eliminierte man die Störquellen (Mikrofon / Lautsprecher), indem man einen MODEM direkt an eine Telefonleitung schloss. Mit einem MODEM liessen sich im Idealfall 56 kBit/s Datenübertragung erreichen; das entspricht ca. 5 kb/s. Viele Modems funktionierten jedoch deutlich langsamer, z.B. 28 kBit/s.

Heute (2020) wirkt das extrem langsam. Dial-up Internetprovider, als Rechenzentren, die man per Telefonnummer anwählen konnte, um einen Internetverbindung herzustellen, gibt es praktisch nicht mehr; MODEM-Funktion findet sich heute typischerweise in Routern, wobei teilweise weiterhin noch Telefonleitungen als Signalträger genutzt werden (DSL). Die digitalen Endgeräte (PCs, Smartphones, Smart-TVs, usw.) erhalten den Internetzugang dann entweder per LAN (Ethernet) oder WLAN (drahtloses Netzwerk).

Dank findiger Bastler (thanks!!!: https://dogemicrosystems.ca/wiki/Dial_up_server und asterisk-Fix: mit neuem Repo https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/asterisk/+bug/1458323) haben wir mit Lubuntu 16.04 den Nachbau hinbekommen. Die Telefonzentrale ist eine FritzBox (Kabelmodem-Modell).
MODEM: unten links auf seiner gelben Schachtel (E288MX); daneben der Lubuntu-Laptop; darüber das "Web Touch one"; rechts oben neben dem Schild "Server & Netztwerk" die FritzBox als Telefonzentrale.

Jetzt können wir u.a. auf dem "Web Touch one" Prototyp Internet-Telefon von Alcatel (ein embedded Computer aus den 1990ern mit Webbrowser; damals seiner Zeit voraus und nie vermarktet) eine Webseite anzeigen, die bewusst einfach gehalten ist.

Hier das ganze in Aktion mit Ton, der einerseits aus dem Lautsprecher des "Web Touch one", andererseits aus dem Lautsprecher des Modems kommt. Man beachte die Ladezeit für das relativ kleine Bild auf der Webseite! Die "TX" (transmit)-Leuchte am MODEM leuchtete praktisch konstant.






Das CMbB nun an zwei Standorten

Der Standort im Gymnasium Bäumlihof ist vollständig eingereichtet und der Schule für den Informatikunterricht übergeben worden. Dieser soll ab nächstem Schuljahr wieder Pflichtfach werden und wir hoffen, dass das Museum in der Schule dafür genutzt werdern wird.

Am Standort in der Firma ColoBâle in Pratteln gibt es das Museum ebenfalls noch und es entwickelt sich. Wir treffen uns jede Freitagnacht zum Baseln, Diskutieren, Organisieren. Zum Teil kommen Besucher vorbei (bitte vorher anmelden), die sich für unsere Arbeit interessieren.
Daneben haben wir das Museum dort jeden letzten Sonntag im Monat für die Allgemeinheit geöffnet und wir können immer wieder Interessierte begrüssen, teil einzeln, teils als Familien, wobei die Jungmannschaft sich vor allem in der Game Lounge amüsiert.
Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass die erste Lautäusserung von Personen, die zum ersten Mal unsere Halle betreten, folgendes Wort ist: "Wow!"

Wir erhalten auch immer wieder Geräte überreicht, welche so vor dem Fortwerfen gerettet werden konnten. Zu erwähnen sind ein grosses programmierbares Wall Board, auf welchen eine Laufschrift mit verschiedenen Firmensignets zu sehen ist. Dann bekamen wir noch eine LISA von Apple, welche einer von uns zum Laufen zu brngen versucht.

Nach ausssen sind wir mit verschiedenen Presseveröffentlichungen in Erscheinung getreten, wie in der Badischen Zeitung, der Alsace, sowie den Quartierzeitungen Quart (Hirzbrunnen), Mozaik (Kleinbasel) und dem Neubadmagazin. Zwei Interviews sind als Videos veröffentlicht. All dies ist zu finden unter Presse/Medien (letzter Punkt Hauptseite).

Dann konnten wir für einen Event in der Alten Fabrik eine Game Lounge einrichten, und stellen zur Zeit eine Reihe von Geräten für eine Ausstellung im Landesmuseum in Zürich zur Verfügung. Weitere Firmenanlässe ausser Haus zeichnen sich ab.

Inzwischen ist auch der Film über Bruno Manser fertig geworden, in welchem wir für zwei Scenen, ein Büro und eine Polizeiwache, die Computerausstattung installiert hatten.

Unsere Mannschaft ist noch immer nicht sehr gross, auch wenn in diesem Jahr zwei Neue zu uns gestossen sind. Es gibt zwar immer wieder Interessierte, die vielleicht bei uns mitmachen würden, aber vielleicht den zeitlichen Aufwand fürchten. Diesen möchten wir ans Herz legen, dass jeder (und natürlich auch jede) selbst entscheiden darf, in wie weit er oder sie sich einbringen will. Wir kennen keine Anwesenheitspflicht oder dergleichen.
Seit einem Jahr sind wir ein gemeinnütziger Verein, wobei sehr viel Wert darauf gelegt wird, das es (praktisch) keine einschränkenden Statuten gibt.

Gerald Süss / Jürgen Hench

Hier die neusten Bilder von den neuen Räumen:


Rückkehr des Museums ins Gymnasium Bäumlihof


Mit Beginn der Sommerferien 2018 war der mehrjährige Umbau des GB abgeschlossen. Die neuen Museumsräume, 3 an der Zahl wie vor dem Auszug, waren hergerichtet und konnten bezogen werden. Schön sind die grossen Tische aus den alten Informatikräumen, die grosszügige Ausstattung mit Schränken und Schrankwänden, dem Internetanschluss und dem Telefon. Leider wurden aber der Wasseranschluss und auch das Abwasser (sowie die Toiletten) abgebaut.

In den folgenden Monaten führten wir etliche private Transporte zwischen den Museen in der ColoBâle in Pratteln und im GB durch, denn einigees Material hatten wir - neben dem Schullager im Dreispitz - auch in Pratteln gelagert, um während der Umbauzeit damit arbeiten zu können. Schon bald begannen wir mit dem Aufbau. Später kam dann noch der Grosstransport des Materials vom Dreispitz dazu. Hier mussten gut zwei Dutzend Paletten mit Stellrahmen zwischengelagert (merci den Abwarten für das Überlassen ihrer Räume) ausgeräumt und bearbeitet werden. Ein Teil wurde in die ColoBâle transportiert, weil wir dort inzwischen ein grösseres Lager haben, in welches die ausgelagerten Geräte sinnvoller versorgt werden können. Und umgekehrt kam auch einiges Material von Pratteln ins GB.
Die Ausgestaltung der Räume ist recht analog zu den Museumsbereichen in der ColoBâle und entspricht weitgehend der Anordnung vor dem Umzug:

Raum 1 ist der Entwicklung des PC gewidmet, wobei wir uns auf solche Bespiele beschränkt haben, die wenig Wartung benötigen. Diese Anordnung entspricht mehr einem Museum mit weniger, aber typischen Beispielen.
Raum 2 enthält eine Retro Game Lounge, die wir nach Bedarf noch ausbauen können.
Raum 3 ist als Werkstatt und Arbeitsraum für (männliche und hoffentlich viele weibliche) Schüler konzipiert.
Schülerarbeiten zum Thema Informatik können aber in allen drei Räumen durchgeführt werden.

Als Deadline war Ende Mai 2019 festgelegt worden, und pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum konnten wir die Räume anlässlich des grossen GB-Fest eröffnen. Und nach den Sommerferien haben wir dann die Räume offiziell der Schulleitung übergeben.

In den kommenden Monate werden wir ein Konzept erstellen, wie die Zusammenarbeit mit der Informatik, die ab 2020 wieder Unterrichtsfach wir, gestalten können.

August 2019                                                                                Gerald Süss


Hier die neusten Bilder von den neuen Räumen:


Batman wherever

Dank der Joyce User AG haben wir nun auf 3"-Disketten Spiele für unsere Joyce erhalten, und am besten gefällt uns die Realisierung von "Batman", einem perspektivisch erscheinenden Adventure-Spiel. Dieses kennen wir bereits vom CPC und vom Sinclair Spectrum.

Hier die parallele Ausführung (von links nach rechts) auf Joyce PCW, CPC 6128, CPC 464, Sinclair Spectrum:


Insbesondere die Vertonung auf der Joyce dürfte damals beim Portieren etwas Kopfzerbrechen bereitet haben: Die Joyce mit Monochrom-Monitor, eigentlich als Textsystem konzipiert, verfügt lediglich über eine Piezo-Summer, um z.B. das Zeilenende zu signalisieren. Dennoch hört man die Batman-Melodie beim Laden des Spiels (nicht im Video) knapp heraus. Während des Spiels, wenn Batman durch die Gänge tippelt, stört das leise Gepiepse aus dem Piezosummer eigentlich gar nicht. Ferner ist das Bild - ganz im Gegenteil zu den damaligen Farbmonitoren - auf der Joyce flimmerfrei und gestochen scharf.

Nochmals großen Dank an das Team der Joyce User AG, die bis heute "ihrer" Joyce treu bleibt. Leider ist uns bis jetzt kein funktionstüchtiger Einbau eines 3.5" Diskettenlaufwerks in eine Joyce gelungen - wer uns Tipps geben kann, bitte bei uns melden: cmuseumgb@gmail.com. Alle 3.5"-Laufwerke, die wir bisher eingebaut hatten (inkl. diversester Jumper-Kombinationen so vorhanden) haben es maximal geschafft, das Inhaltsverzeichnis von Disketten korrekt wiederzugeben. Ein Lesen und Schreiben von Dateien war demgegenüber leider bisher nicht möglich.

Der HP9830A mit Drucker HP9866A lädt wieder Software!

Dank tatkräftigem Einsatz unseres neuen Mitglieds im Museumsteam funktioniert das Kassettenlaufwerk unseres HP9830A mit Drucker HP9866A von 1972 wieder!



Wir freuen uns sehr. Die Maschine wird in BASIC programmiert und hat ein einzeiliges LED-Display. Man kann darauf wunderbar Laufschriften anzeigen und auf Thermopapier Eintrittskarten drucken.








Die Programme stammen aus dem frühen Tagen des Computermuseums am GB. Die Software hat die Jahre auf dem Tonband gut überstanden. Es stellte sich heraus, dass der Fehler bei durch korrodierte Kontaktleisten zustande gekommen war. Zum Glück lassen sich solche Fehler beheben. 



Xerox Memorywriter 645 in Betrieb



Nach ein paar Tropfen Öl an die Mechanik läuft unser Memorywriter 645 wieder perfekt. Auch die Software ließ sich mittels der noch vorhandenen Dienstprogramme vervielfältigen, um nicht mit den Originaldisketten arbeiten zu müssen.

Hier ein paar Eindrücke:

Hier die wertvollen Originale ...

... teils auf Disketten von XEROX.

Die Disketten-Etiketten für die Kopien schreiben wir direkt mit dem Memorywriter.

Auch die Textverarbeitungs-Software funktioniert gemäß Bedienungsanleitung.

Hier das Ausdrucken der oben am Bildschirm angezeigten Textdatei, die wir auf eine Diskette gespeichert haben.

Der Memorywriter 645 hat nun seinen Platz im Exoten-Regal gefunden.